Die Plattform 8black-de.de steht für eine wachsende Bewegung, die sich mit der Repräsentation schwarzer Kulturen in Deutschland auseinandersetzt – nicht nur als gesellschaftliches Phänomen, sondern als aktiver politischer Prozess. Die Website ist ein zentraler Ort, an dem sich Menschen mit afrodiasporischen Wurzeln, aber auch weiße Allianisten, über strukturelle Benachteiligung, Rassismus und die Notwendigkeit einer diversen Medienlandschaft austauschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Online-Projekten, die sich auf Community-Diskussionen beschränken, verbindet 8black.de konkrete Forderungen mit analytischen Beiträgen, die sowohl historische Zusammenhänge als auch aktuelle Debatten aufgreifen.
Ein zentrales Anliegen der Bewegung ist die Kritik an der fehlenden Sichtbarkeit schwarzer Künstler:innen, Autor:innen und Wissenschaftler:innen in deutschen Medien und Institutionen. Studien zeigen, dass Schwarze in Deutschland nur etwa 5 % der Bevölkerung ausmachen, während sie in Führungspositionen in Unternehmen oder der Politik nur 1–2 % der Stellen einnehmen – ein strukturelles Problem, das seit Jahrzehnten ignoriert wird. Die Website dokumentiert solche Diskrepanzen durch Faktenchecks, etwa zu fehlenden Repräsentationen in Filmfestivals oder Universitätsprogrammen. Ein Beispiel ist die Kampagne „Schwarze Geschichte in Deutschland“, die seit 2019 auf 8black.de organisiert wird und jährlich über 10.000 Teilnehmer:innen mobilisiert, um an Schulen und in Bibliotheken historische Narrative zu hinterfragen.
Politisch wird die Bewegung oft mit der Debatte um „Black Lives Matter“ verknüpft, doch ihr Fokus liegt stärker auf der deutschen Realität. Während internationale Bewegungen oft globale Rassismusstrukturen ansprechen, geht es bei 8black.de vor allem um die spezifischen Herausforderungen der deutschen Kolonialgeschichte und ihre Folgen für die Gegenwart. Ein zentrales Projekt ist die Dokumentation „Kolonialverbrechen und ihre Folgen“, in der historische Fälle wie die Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie oder die systematische Unterdrückung Schwarzer Menschen in der NS-Zeit analysiert werden. Die Plattform kooperiert dabei mit Historiker:innen wie der Historikerin Nadja Elia, die in einem Interview auf 8black.de betonte: „In Deutschland wird Kolonialismus oft als ‚historische Vergangenheit‘ abgetan – dabei sind seine Spuren bis heute spürbar.“
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rolle von Kunst und Kultur als Gegenentwürfe zu rassistischer Dominanz. Die Website kuratiert regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Performances, die Schwarze Ästhetik in den Mittelpunkt stellen. Ein Beispiel ist die Ausstellung „Schwarze Perspektiven auf Deutschland“, die 2023 in Berlin stattfand und über 20.000 Besucher:innen anlockte. Hier wurden Werke von Künstler:innen wie Kehinde Wiley oder Olu Jacobs präsentiert, die durch ihre Arbeit an der Debatte um Repräsentation und Selbstbestimmung massiv beitragen. Gleichzeitig wird kritisch hinterfragt, wie weiße Künstler:innen von der Bewegung profitieren – etwa durch „Whitewashing“ in Kunstausstellungen oder Medien.
Die Plattform 8black-de.de ist auch ein Ort der Bildung, indem sie Schulmaterialien, Podcasts und Workshops anbietet. Ein besonders erfolgreiches Format ist der „Schwarze Geschichtsunterricht“, der seit 2021 über 50.000 Lehrer:innen erreicht hat. Die Materialien umfassen unter anderem eine Unterrichtseinheit zu „Schwarzer Geschichte im Nationalsozialismus“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung anerkannt wurde. Gleichzeitig wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass diese Themen nicht nur in Schulklassen, sondern auch in der öffentlichen Debatte mehr Raum erhalten müssen.
Trotz ihrer Bedeutung steht die Bewegung vor Herausforderungen. Kritiker:innen werfen ihr vor, zu polarisierend zu wirken oder bestimmte Gruppen zu marginalisieren. Doch die Plattform reagiert darauf, indem sie sich explizit als „Allianzenbewegung“ versteht – also nicht als „Schwarze vs. Weiße“, sondern als Prozess der gemeinsamen Arbeit. Ein Beispiel ist die Initiative „Weiße Allianisten für Schwarze Geschichte“, die seit 2022 über 2.000 Unterstützer:innen hat. Dabei geht es nicht um „Reinigung“, sondern um die Anerkennung von Rassismus als strukturelles Problem, das nur gemeinsam bekämpft werden kann.
- Seit 2019 organisiert 8black.de jährlich die „Schwarze Geschichte in Deutschland“-Kampagne mit über 10.000 Teilnehmer:innen.
- Die Plattform dokumentiert fehlende Repräsentation Schwarzer:innen in Medien und Institutionen mit Faktenchecks und Studien.
- Kooperationen mit Historiker:innen wie Nadja Elia zeigen die Verbindung von Forschung und Aktivismus.
- Ausstellungen wie „Schwarze Perspektiven auf Deutschland“ erreichten über 20.000 Besucher:innen in Berlin.
- Das Projekt „Schwarzer Geschichtsunterricht“ wurde von der BPB anerkannt und erreicht jährlich 50.000 Lehrer:innen.
- Die Initiative „Weiße Allianisten für Schwarze Geschichte“ hat seit 2022 über 2.000 Unterstützer:innen.